Artgerechte Kaninchenhaltung

Was bedeutet es, wenn man sein Kaninchen artgerecht halten will?

Um diese Frage zu klären, muss man zunächst einmal wissen, wie Kaninchen in freier Wildbahn leben.

  • Sie leben in der Sippe.

  • Es gehören Rangordnungskämpfe dazu.

  • Das Graben von Höhlensystemen; ein wichtiger Bestandteil für`s Überleben,

  • genauso, wie die Futtersuche

  • Paarung und Aufzucht runden das Kaninchenleben ab.

Die Heimtierhaltung von Kaninchen ist eine Aufgabe, die mit sehr viel Verantwortung des Halters einher geht, denn Kaninchen werden bis zu 10 Jahren alt.

Das Kaninchen ist uns ausgeliefert, hat nicht die Möglichkeit, die Lebenssituation aus eigener Kraft zu ändern (wie die meisten anderen Tiere auch).

Lebt es eingesperrt und allein in einem Käfig, muss es dies erdulden. Es ist unsere Pflicht, sich bei der Haltung von Kaninchen an die ursprüngliche Lebensweise

zu orientieren und ein Stück naturnahen Lebensraum für sie nachzubilden.

Artgerecht ist es nicht, Kaninchen in Käfigen zu halten, ihnen ein Stündchen Freilauf zu gewähren, ein Knabberholz zum Nagen in die Schale zu legen und weil man

im Internet oft liest, dass man Kaninchen nicht alleine halten darf, setzt man noch eins hinzu.

Die Ansätze an sich sind gut – aber mit artgerechter Haltung hat das noch lange nichts zu tun. Diese Internetseite macht darauf aufmerksam,

wie man Kaninchen artgerecht halten kann – auch in der Wohnung!

Missverständnis aus dem Weg geräumt:

Es gibt einen Unterschied zwischen Wildkaninchen (von dem das Hauskaninchen abstammt) und dem Feldhasen.

Sie sehen sich einander ähnlich, jedoch unterscheiden sie sich in ihrer Chromosomenzahl , in ihrem Sozialverhalten

(Hasen sind Einzelgänger, Wildkaninchen nicht!) und Statur.

Unser Haus – und Hof - Kaninchen stammt von dem Wildkaninchen ab – nicht von den Hasen. Das Kaninchen ist deshalb ein Sippentier und kein Einzelgänger.

Die ACHT Grundbedürfnisse von Kaninchen


Bei diesem Begriff denkt man zuerst an eine geschützte Behausung, an Nahrung und Schlaf.

Das ist auch richtig, aber genauso wie ein Mensch braucht auch ein Tier ein erfülltes und damit lebenswertes Leben und das bedeutet,

dass es um mehr gehen muss als um bloßes Überleben!

Wer bemüht ist, seinem Kaninchen ein artgerechte Leben zu gestalten, sollte die 8 Grundbedürfnisse nach Ruth Morgenegg kennen und beachten.

Auf die praktische Umsetzung wird im Verlauf der HP eingegangen.

8 Grundbedürfnisse des Kaninchen (nach Ruth Morgenegg)

  • Sozialkontakt mit Artgenossen

Nie Einzelhaltung!

  • Bewegung

großer Lebensraum

  • Nagen

natürliche Nagematerialien bereitstellen

  • Graben

Naturmaterial

  • Sichverstecken

Unterschlüpfe bieten

  • Überblick

erhöhte Ebenen

  • Abwechslung

Veränderungen im Gehege

  • Ruhepausen

Rücksichtnahme


 

 Ruth Morgenegg „Artgerechte Haltung – ein Grundrecht auch für (Zwerg-)Kaninchen“

Sozialkontakt – Kaninchen sind Gemeinschaftstiere

Kaninchen sind gesellige Tiere die in großen Gruppen leben.

Es ist für sie sehr wichtig, wer in der Hierarchie ganz oben steht und wer unten.

Jedes Kaninchen hat in seiner Gruppe einen Platz. Das heißt nicht, dass in der Kaninchengruppe jeder jeden gleich liebt.

Bestimmte Tiere sind sehr aufeinander fixiert, andere weniger.

Gleichgültig sind sie sich aber nie. Einzelhaltung muss daher strikt abgelehnt werden.

Ein einzeln gehaltenes Tier leidet unter der Isolation!

Wichtig ist in dem Zusammenhang, dass nur ein anderes Kaninchen das Bedürfnis nach Gesellschaft stillen kann.

Nicht der Mensch und auch nicht, wie so oft irrtümlich praktiziert, das Meerschweinchen.

Es handelt sich um unterschiedliche Tiere, die einander nicht verstehen. Sie haben völlig unterschiedliche Ausdrucksformen.

Nur weil sie relativ friedlich miteinander auskommen, heißt das noch lange nicht, dass ein Meerschweinchen ein artgerechter Ersatz für ein anders Kaninchen ist.

 

Bewegung macht Freude und hält gesund

Es ist lustig anzusehen, wenn Kaninchen ihre Haken schlagen und Luftsprünge machen.

Der Bewegungsdrang von Kaninchen ist enorm. Wer sein Kaninchen nur im Käfig hält, schädigt die Gesundheit des Kaninchens.

Die Muskulatur verkümmert, wenn man nicht für genügend Bewegung sorgt.

Mit einer Stunde Auslauf am Tag ist es nicht getan. Bewegung sollte rund um die Uhr möglich sein.

 

Nagen

Obwohl Kaninchen keine Nagetiere sind, ist der Nagetrieb dennoch stark ausgeprägt.

Um die ständig nachwachsenden Zähne abzureiben, muss man ihnen genügend Nagematerialien aus Wald und Garten anbieten.

Brot ist dazu weniger geeignet (macht dick und ist ein Nahrungsmittel, was für den Menschen produziert wird).

 

Graben

Das Graben ist ein Verhalten was keineswegs mit Zeitvertreib betitelt werden kann.

Es ist vielmehr ein Urinstinkt und ist in der Wildbahn lebensnotwendig um sich vor Witterung und Feinden zu schützen.

Die Weibchen bringen in Höhlen ihre Jungen zur Welt.

Bei Kaninchen und Zwergkaninchen ist dieser Instinkt sehr ausgeprägt und deshalb sehr ernst zu nehmen.

 

Verstecken

Kaninchen in freier Wildbahn bauen sich Röhren und Tunnelsysteme um ihr Überleben sicher zu stellen.

Ist ein Feind in Sicht, verschwinden sie blitzartig. Bei Eindringen des Feindes haben sie immer mehrere Fluchtmöglichkeiten.

Die domestizierten Kaninchen haben daher stark das Bedürfnis nach Schutz in einem Unterschlupf.

Fehlt dieser, bedeutet das Stress und das Kaninchen fühlt sich nicht wohl.

 

Alles im Überblick?

Kaninchen ziehen sich gerne mal zurück, haben aber auch den Drang, alles im Überblick zu haben.

Vor allem dann, wenn ein Gehege oder Lebensraum für sie sicher ist und sie sich wohl fühlen.

 

Abwechselung statt Eintönigkeit

Für Heimkaninchen fällt die Aufgabe des Überlebenskampfes weg.

Das Futter wird hergestellt, im Gehege oder Zimmer ist lauert keine Gefahr und die Ecken und Kanten riechen so wie immer.

Das Kaninchenleben kann hier schnell langweilig werden.

Mit Fantasie kann man und muss man dem entgegen wirken.

Langeweile macht krank und verhaltensauffällig.

 

Ausruhen

Bei all den beschriebenen aktiven Bedürfnissen, darf diese hier nicht fehlen; das Ausruhen.

Ruheplätze sind meist Schutzplätze und müssen als solche respektiert werden.

Das muss vor allem im Haushalt lebenden Kindern vermittelt werden.

Kaninchen sind dämmerungsaktiv, ruhen am Tage daher sehr häufig.

 

Missachtung der Grundbedürfnisse

Wer ein Kaninchen in engen Käfigen hält, es mal für ein Stündchen im Zimmer hoppeln lässt und dann wieder weg sperrt,

missachtet die Grundbedürfnisse von Kaninchen in groben Ausmaß.

Leider kommt dieses Fehldenken und Fehlverhalten viel zu oft vor, Gründe sind da unterschiedlich(von Unwissenheit über Respektlosigkeit).

Folgen sind Verhaltensstörungen, Krankheiten und der Unmut der Besitzer, weil die Tiere ihren Bedürfnissen, vor allem nagen und graben,

unter Einbeziehung der Wohnungseinrichtung nachgehen.

Quelle:Ruth Morgenegg „Artgerechte Haltung – ein Grundrecht auch für (Zwerg-)Kaninchen“

 

Zusammenstellung einer Kaninchengruppe

Merkmale wie Alter, Geschlecht und Charakter für eine Zusammenstellung bedeutsam, nicht jedoch Rasse und Größe.


 

2-er Kombination

Hier eignet sich am besten ein Weibchen und ein kastriertes Männchen. Diese Kombination ist sehr harmonisch.

Beide Tiere fixieren sich sehr aufeinander.

 

2 -er Kombination Rammler

Vorausgesetzt das eine Frühkastration erfolt.

Auch hier ist dann ein harmonisches zusammen leben möglich.

 

Viel Dynamik in Mischgruppen

Vorausgesetzt, es gibt ausreichend Bewegungsraum (mind.6m2 ) tritt das Gruppenleben von Kaninchen bei mehr als zwei Tieren erst so richtig in Kraft.

Vorsicht jedoch bei beengten Wohnverhältnissen!

Nur Männchen

Selbst habe ich es nicht testen können, aber laut R. Morgenegg funktioniert es.

Allerdings nur unter der Bedingung, dass alle Rammler kastriert sind.

 

Nur bedingt möglich

Zugesellen eines Einzeltieres in eine seit längerem bestehende 2-er Kombination. Das dritte Tier kann zum Außenseiter werden und unter erschwerten

Bedingungen ans Futter gelangen. Es ist jedoch möglich bei sehr friedlichen, nicht so dominanten Tieren.

Was gar nicht geht :

  • reine Weibchengruppen (Zibben untereinander sehr aggressiv)

  • unkastrierte Männchengruppen

  • Jungtiere zu alten Tieren (Wesens – Temperamentunterschiede führen zu Stress. Das Alter sollte die Differenz von max. 3 Jahren nicht überschreiten)

Quelle:Ruth Morgenegg „Artgerechte Haltung – ein Grundrecht auch für (Zwerg-)Kaninchen“

 

 

Zusammenführung – Voraussetzung und Vorgehen

Prinzipiell gibt es keine Einzelgänger. Auch wenn ein Kaninchen noch so alt ist, nach R. Morgenegg kann man jedes Kaninchen integrieren.

Es kommt lediglich auf die Bedingungen an.

Voraussetzung

  • Männchen sind kastriert

  • mehrere Unterschlüpfe zum zurückziehen

  • genug Lauffläche

  • Geduld und Durchhaltevermögen des Tierhalters bei langen Anpassungszeiten (bis zu einem halben Jahr!)


 

Erleichternde Bedingungen

  • ein neutraler Boden

    Wenn alle Tiere in einem fremden Gehege, Zimmer zusammengeführt werden sind die Reviere dort nicht abgesteckt.

  • Hier müssen sie einige Zeit verbleiben und können sich kennenlernen.

  • Viele natürliche Nagermaterialien anbieten (Äste, Zweige) sowie Buddelmöglichkeiten

    Das lenkt bzw. baut Aggression ab.


 

Tipps fürs Vorgehen

  • Man darf nicht erst probieren, dann wieder trennen und wieder versuchen usw. Die Devise lautet „durchhalten“ und auch mal weg kucken können.

  • Man macht es den Tieren sonst nur schwerer. Sie beginnen immer wieder von vorn und kommen beim Ausfechten ihrer Position nicht weiter.

  • Dieser Dauerstress kann tödlich enden. Also bitte nicht trennen und nicht dazwischen gehen. Rangordnungen müssen geklärt werden, das gehört dazu.

  • Mitleid und Panik seitens des Tierhalters sind hier fehl am Platz. Das was so aggressiv aussieht ist meist weniger tragisch.

  • Bei einer guten Gehegestruktur /Zimmereinrichtung werden sich die Tiere zusammenraufen.

  • Setzt man ein Kaninchen in eine bestehende Gruppe sollte man vorher das Revier der Gruppe gründlich reinigen und umgestalten.

  • Dann setzt man die Tiere zusammen. Die Umgebung ist so für alle neu. Es sollten mehrere Futterplätze eingerichtet werden,

  • das gleiche gilt für Wasser und Heu. Es sollte darauf geachtet werden, dass das neue Tier zum Futter gelangt.

  • Die Anpassungszeiten sind unterschiedlich. Manche schaffen es in ein paar Tagen andere brauchen Wochen und Monate.

  • Das Fressverhalten beobachten. Diese Aufgabe ist wichtiger als die Sorge um die Schramme oder der Kratzer.

  • Wenn sich ein Tier nicht zur Futterstelle traut, dann sollte man ihm etwas in sein Versteck geben.

  • Während der Anpassungszeit muss energiereiches Futter gegeben werden. Es ist auch ratsam Vitaminzusätze zu verabreichen.

Quelle:Ruth Morgenegg „Artgerechte Haltung – ein Grundrecht auch für (Zwerg-)Kaninchen“

 


 

    Wann Eingreifen nötig wird

  • wenn ein Tier sichtlich leidet, der Allgemeinzustand schlecht ist

  • wenn es über Monate ein Schattendasein fristet

  • keinen Sozialkontakt zu anderen Kaninchen bekommt

  • immer Bissverletzungen aufweist

  • kein Futter mehr aufnimmt, abmagert

Nun heißt es handeln aber nicht isolieren. Es tut dem Tier auch nicht gut, wenn es allein leben muss.

Ein ebenbürtiges Tier, vielleicht ein Jungtier könnte eine Lösung sein.

Der Kontakt zu einem Tierheim könnte hier hilfreich sein, um ein passendes Tier zu finden.

Quelle:Ruth Morgenegg „Artgerechte Haltung – ein Grundrecht auch für (Zwerg-)Kaninchen“

 

Kaninchen und Meerschweinchen – keine gute Kombination!

Oft werden dem Kaninchen ein Meerschweinchen beigesellt, die scheinen sich unter beengten Verhältnissen recht gut zu verstehen.

Ja – das ist häufig so! ABER Es handelt sich um unterschiedliche Tierarten, dessen Sprache vollkommen verschieden ist.

Will man beiden Tierarten Sozialkontakt ermöglichen, muss man jedem seinen Artgenossen zugestehen.

Auch wenn im Handel fälschlicherweise zur Kombination von Kaninchen und Meerschweinchen geraten wird,

sollte man, eines besseren belehrt, dem keinen Glauben schenken.

Das Interesse des Handels ist rein kommerziell unser Interesse gilt der artgerechten Heimtierhaltung.

 

Außenhaltung:

Wer einen Garten hat, kann seinen Kaninchen einen wirklich schönen und natürlichen Lebensraum gestalten.

Wenn hier von Außenhaltung die Rede ist, ist nicht die Haltung in Boxen oder Ställen gemeint, sondern eine Unterbringung in einem freizügigen Gehege.

Für 2 bis drei Tiere sollte von einem Mindestmaß 6 Quadratmeter Fläche ausgegangen werden.

Wenn Kaninchen in der Natur leben, müssen sie viel Bewegungsspielraum haben um der Wettereinflüssen stand zu halten.

So ein Gehege zu bauen und gestalten kostete Zeit, Geld und harte Arbeit. Das zahlt sich aber aus, denn wirklich glücklich sind Kaninchen nur an der frischen Luft.

Man kann Kaninchen ganzjährig draußen halten, das ist aber wegen der Witterung an einige Bedingungen gebunden.

Wichtige Rollen dabei spielen Wetterfestigkeit, Ein-und Ausbruchssicherheit und Pflege.

Ein stabiles Außengehege muss:

  • in die Erde eingelassen sein, da Kaninchen buddeln,

  • vor Greifvögeln, Wildtieren einbruchsicher sein,

  • begehbar durch den Mensch sein, sonst ist Reinigung und Beobachtung der Tiere schwierig,

  • bei Regenperioden abdeckbar sein, damit Erdreich nicht schlammt,

  • viele Versteckmöglichkeiten anbieten .

Bei der Gestaltung des Außengeheges ist folgendes zu bedenken:

  • im Hochsommer müssen natürliche, luftige Schattenplätze vorhanden sein (Achtung vor Hitzestau!)

  • trockener Unterschlüpfe (ein selbst gebautes Haus muss auch bei Regen der Feuchtigkeit standhalten, lange Regenperioden sind zu bedenken)

  • bei extremer Kälte viel Nistmaterial (wärmt zusätzlich zum Fell)

Bei Kälte, Regen und Schnee brauchen Kaninchen trockene, geschützte Unterschlüpfe.

Das „schlechte“ Wetter ist bei Kaninchen nur dann ein Problem, wenn zu wenig Bewegung möglich ist und die Tiere dadurch frieren .

 

Lebensbedrohende Fehler bei Außenhaltung

Aussenhaltung ist Tierquälerei wenn:

  • Kaninchen in kleinen Ställen, Boxen gehalten werden,

  • der Käfig auf den Balkon gestellt wird und das Kaninchen nicht vor Nässe, Kälte und Hitze geschützt ist. Es hat keine Bewegung, friert und kommt um vor Langeweile.

  • Das Kaninchen nach draußen „abgeschoben“ wird, weil es drinnen Unheil gestiftet hat. Hier geraten Kaninchen oft in Vergessenheit und verkümmern.

  •  

! Der Grund für Außenhaltung darf nicht eine Abschiebemaßnahme sein, denn wenn das nötige Engagement für diese Haltungsform fehlt,

dann kann sie gefährlich werden und die Tiere zahlen das mit großem Leid bis hin zum Tode.

! Da Kaninchen bis zu 10 Jahre alt werden können, ist es nicht vertretbar, dass man sie in traditionellen Ställen unterbringt.

 

Ideen zum Gehegebau

Wenn ihr vor habt, so ein Gehege zu bauen, solltet ihr das Buch unbedingt kaufen.

Es sprengt den Rahmen dieser Web – Seite, wenn ich auf Maße, Material und Bau u.s.w. eingehe.

Außerdem habe ich dazu selbst nicht genügend Erfahrungen um auf Bauchtechnische Fragen antworten zu können.

Nehmt diese Informationen als ersten Eindruck für eine artgerechte, gesunde Kaninchenhaltung im Freien und kauft bei geplanter Umsetzung das Buch dazu

 (Bauanleitungen und Montage zu den abgebildeten Gehegen enthalten)

 


 

Einrichtung des Geheges

Im Handel wird fast überhaupt nichts Kaninchentaugliches angeboten, soll es dann auch noch für eine Außenhaltung sein,

findet man rein gar nichts. Vieles ist zu klein und nicht wettertauglich.

Deshalb sollte man auch hier selbst tätig werden. Die Bauanleitung für ein wetterfestes Kaninchenhaus gibt es auch im Buch von R.Morgenegg.

Ruth Morgenegg „Artgerechte Haltung – ein Grundrecht auch für (Zwerg-)Kaninchen“

Die Gestaltung eines Geheges sollte nicht zu langweilig sein. Hier ist Phantasie gefragt um für nötige Abwechselung zu sorgen.

Quelle:Ruth Morgenegg „Artgerechte Haltung – ein Grundrecht auch für (Zwerg-)Kaninchen“

 

 

Innenhaltung – Weg mit dem Mythos vom glücklichen Stallhasen!


Wer Kaninchen bereits hält, wird verstehen, warum es kaum möglich ist Kaninchen in der Wohnung wirklich artgerecht zu halten.

Ich bin allerdings der Meinung, dass man es sich zu leicht macht, wenn man sagt:

Kaninchen sind Stallhaltung gewöhnt und werden mit ein zwei Stündchen Auslauf zufrieden sein.

Leider habe ich oft fadenscheinige Ausreden gehört / gelesen und auch wenn sich der Eine oder Andere nun angegriffen fühlt, vertrete ich ebenfalls die Meinung,

wer sein Kaninchen 23 Stunden am Tag einsperrt, kann noch so liebevoll zu dem Tier sein , das tollste Futter kaufen – aber auf die wirklichen Bedürfnisse geht er oder sie auf diese Weise nicht ein.

Wer sich nun überlegt, sich Kaninchen als Haustiere anzuschaffen, nicht über einen Garten verfügt, in dem man ein schönes Gehege bauen kann,

der sollte diese Seiten aufmerksam prüfen. Kann man mit der Art und Weise der Haltung nicht Schritt halten, dem lege ich ans Herz, sich kein Kaninchen anzuschaffen.

 

Käfige und Tierschutznorm

Kaninchen brauchen die Bewegung, sie müssen hoppeln, Sprünge machen und Haken schlagen können. In einem konventionellen Käfig geht dies alles nicht.

Hinter den Gitterstäben zu sitzen kommt einem Gefängnis gleich.

 

Die im Handel erhältlichen Käfige erfüllen in der Regel die Tierschtzverordnung, das ist widersprüchlich,

denn wie in dieser Internetseite oft erwähnt, kann ein Kaninchen im Käfig nicht artgerecht gehalten werden – auch nicht bei Maßen von 120cm X 60cm.

In diesem Käfig kann man Kaninchen weder in Gruppe halten, noch ist Springen und Haken schlagen möglich.

Männchen machen geht nicht und Graben auch nicht. Fast alle der Grundbedürfnisse sind nicht möglich.

Die Verfasser der Tierschutzverordnung mussten verschiedene „Parteien“ berücksichtigen: Forschung, Industrie, Mast, Zucht und Hobby Tierhaltung.

Die festgelegten Mindestmaße richten sich nach Labortierhaltung.

Der Gesetzgeber appelliert auch mit der Forderung nach tiergerechter Haltung an den gesunden Menschenverstand der Heimtiehalter /innen und an ihre Bereitschaft,

ihren Schützlingen ein artgemäßes Verhalten zu ermöglichen.

Der Hinweis auf die Einhaltung Mindestnormen darf also nicht als Ausrede benutzt werden, den Tieren einen engen Käfig zu kaufen und sie Tag und Nacht dort einzusperren.

Quelle : Ruth Morgenegg „Artgerechte Haltung – ein Grundrecht auch für (Zwerg-)Kaninchen“


 

 

Ideen zur Zimmerhaltung / Wohnungshaltung

Kaninchen sollten in der Wohnung nicht viel anders gehalten werden wie Katzen.

Allerdings muss man darauf hinweisen, dass der Nagetrieb eines Kaninchens so manches Unheil bezüglich der Möbel und Kabel anrichten kann.

Wir haben das Problem gelöst, in dem wir ein Kaninchenzimmer eingerichtet haben. Darin gibt es nur Kanincheninventar – keine Kabel , Sofas oder andere wertvolle Möbel.

Stattdessen haben wir ganztägig zugängige Käfige mit Streu, Heu, Futter, Wasserschale. Außerdem viele Unterschlupfmöglichkeiten, angefangen von einer einfachen Pappkiste,

über Korkrohre bis hin zu selbstgebauten Holzunterschlüpfen. Wir haben auch an die Klettermöglichkeit gedacht und einen Katzenbaum

gekauft, auf die Käfige haben wir Holzbretter aus dem Baumarkt gelgt – Ausgucke gibt's also genug. Das schönste, vor allem für unser Weibchen,

ist jedoch die Buddelkiste. Diese ist immer unterschiedlich gefüllt – der Handel bietet da ja einiges :-) Zum Knabbern haben wir Zweige und Äste aus der Natur.

 

Im Internet habe ich viele schöne Eigenbauten gesehen und war von der Idee überzeugt, denn die Käfige haben einfach nicht die Struktur und Größe,

die eine Kaninchen schätzt. Schaut mal auf der Hauptseite unter „Eigenbau & Bauanleitungen“ nach, denn dort

sind nicht nur eigene Werke abgebildet sondern auch kreative Ideen anderer Kaninchenfans.

 

Sozialverhalten – Das Kaninchen ist ein Sippentier

 

Das Sozialverhalten von Kaninchen ist sehr komplex.

Kaninchen sind Sippentiere und dürfen deshalb niemals einzeln gehalten werden.

Es treten sonst Verhaltensstörungen auf (Aggression, Lethargie, Depression u.a.).

Man kann hier den Vergleich zum Menschen ziehen, denn ein isoliert lebender Mensch fühlt sich ebenfalls nicht wirklich wohl,

psychische Leiden sind hier ebenfalls auffallend häufig.

Ähnlich wie bei Menschen, wird im Zusammenleben von Kaninchen gestritten, gerauft, aus dem Weg gegangen und wieder versöhnt.

Das war auch mir zu Anfang sehr befremdlich. Die so kuscheligen Tiere plötzlich so ungestüm?

Kaninchen drücken Freude aus, Liebe, Zuneigung, Angst und Aggression.

Wie sie das machen, habe ich in einer Tabelle zusammengefasst.

 

Kaninchensprache

Körpersprache

Interpretation

Haken schlagen

Freude, Ausgelassenheit

sich wälzen

Wohlbefinden

hintereinander her jagen

fangen (spielen) oder, jagen (Dominanz verdeutlichen, Position abstecken)

Männchen machen

Aufmerksamkeit, Neugierde

Scharren

Buddelinstinkt

Klopfen (mit Hinterlauf)

Ärger, Angst, Schreck oder auch Aggression (situationsbedingt), Drohen

Mit dem Kinn über alles mögliche streifen

markieren um Revier abzustecken (Duftstoffe aus Kinndrüse)

Seitenlage

Ausruhen

gegenseitiges Abschlecken

Zuneigung untereinander, Kontaktpflege, Nähe

Anstupsen mit Schnäuzchen

Begrüßung „Hallo“; an Mensch gerichtet: ich habe Hunger oder streichele mich!

Wegstupsen

„Danke! Es reicht, ich will meine ruhe.“

leise mahlende Geräusche mit Gebiss

Wohlbefinden beim Kraulen

starkes Zähneknirschen

Schmerzen

Kopf flach auf den Boden gedrückt

Unterwerfungsgeste

Kopf flach auf den Boden gedrückt, Augen weit aufgerissen, Ohren angelegt, schnelle Atmung

Angst

Kotkügelchen verteilen trotz fester Kloecke

Markieren des Reviers

Lautsprache

Interpretation

murksen

Angst, Aggression

kreischen

Todesangst, Schmerz

fiepen

machen nur Jungtiere bei Angst

 

Ernährung und Verdauung

 

Das Verdauungssystem

 

 Ein gesunder Fütterungsvorschlag

Eine bedachte und sorfältige Fütterung ist hier sehr wichtig.

Fütterungsplan 3 X tägl. füttern

Die nun dargestellte Reihenfolge sollte unbedingt eingehalten werden:

MORGENS

viel frisches Heu und Wasser

MITTAGS

Grünfutter, Obst (pro Tier z.B.eine Möhre, viertel Apfel, zwei Petersilienstengel)

ABENDS

Körnermischung für Kaninchen (pro Tier 2 Esslöffel, es sei denn, erhöhter Energiebedarf!), Heu für Nachts


 

Die Basis für eine gesunde Ernährung ist immer hochwertiges, frisch duftendes Heu. Staubt es, sieht braun aus und mufft – dann ist es ungesund und sollte zum Müll! Erst nach mindestens ein – bis zwei Stunden soll man das Frischfutter geben (Vermeidung von Blähungen).

Erst am Abend füttert man das Energiefutter in Form von Trockenmischungen (Pellets aus verschiedenen Pflanzenfasern).

 

Trockenfutter

Das vielfältige Angebot an Trockenmischungen macht die Auswahl manchmal gar nicht einfach.

Man sollte jedoch darauf achten, dass nicht zu viel oder gar kein Getreide darin ist (Erklärung dazu unter Verdauungssystem),

Rohfaser (Grünpellets) und getrocknete Kräuter sollten das Trockenfutter kennzeichnen.

 Zusätzlich kann man das Trockenfutter mit getrockneten Gemüse anreichern, getrockneten Gartenkräutern, Naturkräutern und Vitaminpellets.

  • Petersilienstengel

  • Brennessel

  • Dill

  • Minze

  • Luzerne

  • Weißdorn

  • Lindenblüten

  • Spitzwegerich

  • Echinacea

  • Basilikum, Kerbel mehr dazu hier

 

Kräutermischung für Kaninchen

Spezialrezept für ein gesundes Kaninchen im Winter

 

Zwergenheims „Kräuterhexe“

Spezialrezept für ein gesundes Kaninchen im Winter

aromatische Kräutermischung aus getrockneten Kräutern:

150gr.Echinacea (purpurea)

50gr. Brennessel

50gr. Petersiliestengel

50gr. Dillstengel

50gr.Spitzwegerich

50gr.Luzerne und /oder grüner Hafer

20gr.Pfefferminze

30gr. Weißdorn

15gr. Lindenblüten

Diese Mischung duftet aromatisch, hat gesund - erhaltende stimulierende Wirkstoffe, ist durch den Rohfasergehalt der bestverdauliche Snack auch für zwischendurch und ist eine ausgewogene Nahrungsergänzung.

Die Mischung ergibt fast einen Futtereimer voll (oder große verschließbare Schüssel um Aromen zu erhalten). Pro Nase kann man täglich eine Hand voll geben, oder auch mehr, je nach Appetit.

Die Zutaten gibt es von „Vitakraft“ (Vitaplant) und „Unser“ SagaFlor GmbH www.unser-zoo.de oder von sonst wo her ;-)


 

 

Gesund und ungesund - Frischfutter

GESUNDFUTTER

Unkräuter

Gras, Löwenzahn, Schafgarbe, Ackerdistel und Brennessel (nur abgewelkt füttern!)

Gewürzkräuter

bedenkenlos in kleinen Mengen füttern: Beifuß, Bohnenkraut, Dill, Kresse, Petersilie, Basilikum, Salbei (Appetitsanreger), Kerbel

Küche & Garten

Möhre, Apfel, Fenchel, Futterrübe, Chicoree, Gurke, Eisbergsalat, Feldsalat Birne, Himbeere, Brombeere, Erdbeere, kernlose Trauben, Banane (ein Stück als Leckerli!)

Vom Lande

http://www.werther.de/kanin/kfutter.htm

Futtertip für den Winter!

Kiefern und Fichtennadeln enthalten Proteine, Karotin, Vitamine und Mineralien. Außerdem beugen sie Blähbauch vor und nützen die Zähne gut ab.

Bedingt geeignet

Tomate, Gurke, Kopfsalat, Kohlsorten (bläht), getr.Brot

sehr gute Futterliste im Web

Mit Vitaminaufschlüsselung!

http://www.kaninchen.at/haustier/index.html

 


 

UNGESUND

nicht füttern

Im Handel angebotene Leckereien wie Drops u.a.sind nicht gut für das empfindliche Verdauungssystem.

rohe Kartoffeln

giftig

Kartoffelkeime, rohe Bohnen,

 

Zum Thema Wasser- (Flasche)

Kaninchen brauchen Wasser – und dies sollte täglich frisch gereicht werden und zwar in einem Gefäß.

Die Trinkflaschen geben nur Tröpfchen ab und wenn man bedenkt, dass Kaninchen ca. 2 Deziliter Trinken, das macht bei drei Tieren ungefähr einen halben Liter.

Trinkflaschen sind schwierig sauber zu halten, sie algen bei Wärme und durch die Anbringung an einem Gitter müssen die Kaninchen ihren Kopf in eine unnatürliche Position bringen.

Die Benützung von Trinkflaschen ist in den Köpfen vieler Tierhalter fest verankert, deshalb der Anstoß zum nachdenken. Ein Gefäß aus Ton oder Glas lässt sich problemlos reinigen und an einer

festgelegten Stelle im Gehege oder Zimmer ein beliebter Bezugspunkt der Kaninchen.

 

Weiterführende Links zum Thema Ernährung


 

Futtertip für den Winter!

Kiefern und Fichtennadeln enthalten Proteine, Karotin, Vitamine und Mineralien. Außerdem beugen sie Blähbauch vor und nützen die Zähne gut ab.

Mehr dazu unter diesem Link: http://www.werther.de/kanin/kfutter.htm

super Frischfutter - Liste im Web

mit Vitaminaufschlüsselung / Angabe der Nährstoffe

http://www.kaninchen.at/haustier/index.html

Gesundheitsvorsorge

Der Gesundheitszustand eines Kaninchens ist in erster Linie abhängig von den Lebensbedingungen, es handelt sich hier um Einflussfaktoren wie:

Haltung

Langeweile, Einsamkeit, zu wenig Bewegung macht krank! Haltungsfehler sind häufigste Ursache von Verhaltensstörungen.

 Hygiene

Gesundheitsvorsorge fängt mit einer regelmäßigen Gehegereinigung / Stallreinigung an. Verschmutzte Fressnäpfe, Trinknäpfe gehören dazu. Um Infektionsrisiko zu vermeiden sollte vor allem bei warmen Temperaturen einmal mehr gereinigt werden als gewöhnlich.

Stress

Stressbelastungen führen dauerhaft zu einer Schwächung des Immunsystems. Es kommt schneller zu Erkrankungen. Die Ursachen des Stress müssen wir selbst herausfinden und abstellen.

Fütterung

Unsachgemäße Fütterung birgt einmal das Risiko von Verdauungsschäden , Zahnprobleme und Figurprobleme.

 

Regelmäßig den Allgemeinzustand checken

Durch wöchentliche Kontrollen und genaues Beobachten des Verhaltens können wir frühzeitig Alarmsignale erkennen, Krankheiten aufspüren und schnellstens den Tierarzt aufsuchen.

Tägliche Kontrolle

Die tägliche Kontrolle zielt auf das Beobachten des Verhaltens ab. Verhaltensänderungen (plötzliche) sind fast immer ein Zeichen für Krankheit oder Unwohlsein.

 

  • es ruht mehr als sonst

  • sitzt nicht mehr am Lieblingsplatz

  • ist zur Fütterungszeit desinteressiert

  • frisst langsamer und zaghafter

  • wirkt gleichgültig bis abwesend

Wöchentliche Kontrolle

  • Ist Analregion sauber? Wenn nein:

Verklebte Haare wegschneiden (Infektionsgefahr), Weiterbeobachten!

  • Sind Kinn und Maulecken trocken? Wenn nein:

    Es liegen möglicherweise Zahnprobleme vor.

Monatliche Kontrollen

  • Gewicht (Abnahmen, Zunahme beobachten)

  • Fellkontrolle (Krusten oder Haarausfall?)

  • Krallen

  • Zähne

Quelle:Ruth Morgenegg „Artgerechte Haltung – ein Grundrecht auch für (Zwerg-)Kaninchen“

   Krankheitsanzeichen können sein:

  • verklebte, tränende, müde Augen

  • sitzt in der Ecke und klappert mit den Zähnen

  • ist gereizt, bissig, unruhig

  • oder wirkt benommen

  • Atmung ist anders als sonst

  • feuchte Nase, Nieslaute

  • Haarausfall (abgesehen vom Fellwechsel)

  • stumpfes, struppiges, glanzloses Fell

  • Hautirritationen, Wunden

  • Schiefhaltung des Kopfes

  • unangenehmer Geruch

  • warmer Körper, gerötete Haut

  • Bewegungsapparat (lahmt es, läuft träge etc.)

  • pressender Stuhlgang, angestrengte Sitzhaltung

Sollten Veränderungen auffallen, bitte nicht lange überlegen und einen kompetenten Tierarzt / Tierärztin aufsuchen.

Keine Untersuchungsmöglichkeit darf uns zu teuer sein – unsere Verantwortung sollten wir uns täglich bewusst machen.

 

 Impfungen

Auch im Haushalt lebende Tiere sollten geimpft werden. RHD kann mit Schuhen oder Kleidung übertragen werden.

Myxomatose über Stechtiere. Beide Erkrankungen verlaufen tödlich. (näheres dazu unter Infektionskrankheiten)

Pflichtimpfung sollte sein : RHD (Chinaseuche)

Myxomatose in gefährdeten Gebieten (Tierarzt dazu befragen)

 

Kaninchen – stille Patienten

Ein Tier spricht nicht unsere Sprache, ist auf uns angewiesen.

Es kann uns auf seine Art und Weise mitteilen, wenn etwas nicht stimmt. Es liegt an uns, diese wahrzunehmen, einzuordnen und zu handeln.

Mit „handeln“ ist in dem Zusammenhang der Gang zum Tierarzt gemeint. Prinzipiell sollte man sich vorher schon erkundigt haben, welcher Tierarzt im Wohnortbereich einen guten Ruf genießt.

Es sollte nicht die Nähe ein Auswahlkriterium sein. Über Internet (Foren, spezielle Listen) kann eine Vorauswahl getroffen werden.

Letztendlich muss man immer selbst entscheiden, ob der gewählte Tierarzt die komplexen Zusammenhänge der Kaninchen(-krankheiten) wirklich versteht.

 

Der Gang zum Tierarzt

Je nach dem, wie die Symptome sind, solltest Du Proben gleich mitnehmen.

Das betrifft vor allem die Exkremente (Kot, Urin). Tipp: Urin mit einer Plastespritze aufziehen!

Schildere möglichst genau die Symptome, (ab wann, wie oft, wie lange, wann besonders schlimm...).

Ein guter Tierarzt wird alle nötigen Untersuchungen vornehmen und die „richtigen“ Fragen stellen.

Solltest Du zu einem Tierarzt nicht das nötige Vertrauen haben, dann ist ein Wechsel sinnvoll.

Wenn dein Häschen nun zum Tierarzt muss, dann achte auf Wind und Wetter und leite die notwendigen Maßnahmen ein,

nicht dass noch eine Erkältung bei einem eh schon geschwächten Tier etc. hinzukommt.

Eine geschützte Transportbox mit einem ausgelegten Handtuch eignet sich besonders gut, weil es dunkel und geschützt ist.

 

Kaninchenkrankheiten

Ein Überblick über diverse Erkrankungen, Symptome, Behandlung und Vorbeugung.

Wer Symptome oder Veränderungen bei seinem Tier bemerkt sollte unverzüglich den Tierarzt des Vertrauens aufsuchen.


 

Infektionskrankheiten


Virusinfektionen

Krankheitsbezeichnung

Symptome

Vorbeugung / Therapie

Myxomatose

  • 3-5 Tage nach Ansteckung mit dem Erreger zeigen sich erste Symptome

  • Schwellung und Entzündung der Augenlieder, werden eitrig

  • es folgen Schwellungen an Ohren, Lippen, Nase, Genitalbereich

  • Futterverweigerung

  • 8-10 Tage nach Ansteckung folgt der Tod

Eine Behandlung ist nicht möglich. Man kann aber vorbeugen durch Impfung beim Tierarzt.

Übertragung durch Mücken, Flöhe, Zecken u.a., die das Virus empfangen haben

Hämorrhagische Krankheit (Rabbit Haemorrhagic Disease = RHD)

  • Krankheitsverlauf in 1-3 Tagen, vermutlich je nach Virusmenge

  • Benommenheit, Unruhe, Atemprobleme

  • Tier brechen plötzlich zusammen, schreien, ersticken mit Blutaustritt

Man beugt diese Seuche durch Impfung vor.

Ansteckung durch Kontakt mit infiziertem Tier und auch über kontaminiertes Grünfutter

Tollwut

  • Unspezifische Krankheitserscheinungen: Schreckhaftigkeit, Überempfindlichkeit, Speichelfluss

  • Schluckbeschwerden, Lähmungen

Vorbeugen: Außengehege „Einbruchsicher“ vor Wildtieren bauen.

Ansteckung durch Eindringen von infizierten Wildtieren über einen Biss. Achtung bei Freilandhaltung!

Kaninchenpocken

  • heute sehr selten

  • Krankheitsdauer 3- 7 Tage

  • Rötungen, Pustelbildung auf der Haut, an Ohren, Augenlidern, Lippen, Genitalbereich

Ansteckung durch Tierkontakt. Virusverwandschaft mit Kuhpockenvirus.

Fibromatose

  • Es handelt sich meist um Impftumore (unter der Haut) nach einer Myxomatoseimpfung

  • können „Hühnereiergroß“ werden

  • bilden sich meist nach 5-6 Wochen von allein zurück

Bildet sich der Tumor nicht zurück, muss er chirurgisch entfernt werden.


 

Ansteckung mit dem Fibrom Virus auch durch Stechmücken!

 

Bakterielle Infektionen

Krankheitsbezeichnung

Symptome

Vorbeugung / Therapie

Pasteurellose

  • Es handelt sich um eine multifaktorielle Erkrankung, es müssen verschiedene negative Einflüsse aus dem Umfeld zusammentreffen, damit die Krankheit zum Ausbruch kommt. Fast jedes Tier hat den Pasteurella multocida Erreger in sich, der nur bei schlechter Haltung ausbricht.

  • wässriger, eitriger Schnupfen, Niesen, Atemprobleme

  • Apathie, struppiges Fell

  • der Erreger kann, wenn er ausgebrochen ist, auf Lunge, Ohren (Innenohren), Augen, Geschlechtsorgane sich ausbreiten

Zugluft vermeiden, Sauberkeit im Lebensraum der Tiere, nicht so hohe Luftfeuchtigkeit, extreme Temperaturschwankungen vermeiden, ausgewogene Ernährung,

Salmonellose

  • Appetitmangel, Apathie

  • Durchfall nach wenigen Tagen

  • Abmagerung

Hygiene im Futterbereich (Näpfe, Schalen reinigen), nichts verdorbenes füttern

Therapie mit Antibiotika

Staphylokokkose

  • Fressunlust, Apathie, Lidbindehautentzündung

  • 1-2 Tage nach ersten Erscheinungen tritt Tod ein, Eile ist geboten!

  • Pustelbildungen auf der Haut

  • Schwellungen der Lympfknoten

  • Gelenkentzündungen (Bewegungsbeeinträchtigung)

  • eitrige Gebärmutterentzündung

Antibiotikatherapie

Hygienemaßnahmen (desinfizieren)

Pilzinfektion der Organe (Systemmykosen)

  • Verschlechterung der Allgemeinzustandes

  • Abmagerung

  • ist Lunge mit Pilzen befallen, Atemnot

Ansteckung erfolgt durch Einatmen von Pilzsporen oder Aufnahme von verschimmelten Futter. Breitet sich der Befall aus, endet es meist tödlich.

Futter immer überprüfen. Heu darf nicht schimmlig sein!

Hautpilze (Dermatomykosen)

  • Haarausfall, dort Ringförmige Flechte mit Kruste, geröteter Rand

  • Juckreiz (Tiere kratzen und verbreiten den Pilz auf andere Stellen)

  • ist auf Mensch übertragbar!

TA legt Kultur an, bestimmt Antimykotika. Täglich Stall reinigen, desinfizieren; auch Futterschale nicht vergessen. Pilzsporen sind hartnäckig und überall deshalb nach Abklingen des Symptoms Reinigungsmaßnahmen beibehalten. Diät: mehr Heu und Obst ; weniger Körner in der Zeit füttern.

Quellen: Winkelmann, Lammers „Kaninchenkrankheiten“ Patient Tier

 

 Haut & Haarkleid

Krankheitsbezeichnung

Symptome

Vorbeugung / Therapie

Hautpilz

  • ist bei bakteriellen Infektionskrankheiten beschrieben

 

wunde Läufe

  • Entzündung an der Sohlenhaut

  • Hinweis aus Haltungsfehler (harte Einstreu, kantiger Unterboden, Nässe, einseitige Ernährung)

weiches Nestmaterial nutzen, Gehege sauber halten, Unterboden auf harte Kanten kontrollieren, Vitaminreiche Ernährung

TA behandelt mit antibiotischen Salben

Milben (Kopf, Haut)

  • Hautrötung, Schuppenbildung, Haarausfall

  • bei Nichtbehandlung Verschlechterung des Allgemeinzustandes

Vorbeugen kann man mit guter Stallhygiene, Vitaminreicher Ernährung um das Immunsystem in Takt zu halten.

Tierärzte behandeln Milben mit Salben und /oder Injektionen.

Milben im Ohr (Ohrräude)

  • durch Juckreiz im Ohr schütteln Tiere den Kopf, kratzen sich im Ohrbereich

  • gelbliche Borke ist zu erkennen

TA muss das Tier auf Immunschwäche überprüfen, wenn es immer wieder kommt.

Ansonsten verabreicht TA Salbe fürs Ohr.

Zecken

  • kommt bei Außenhaltung vor

  • kleine „Knubbel“ auf der Haut

  • bei starkem Befall leidet Kaninchen unter Blutarmut

  • Zecken übertragen Viren

Entfernung mit Zeckenzange aus Apotheke oder vom TA. Wer es sich nicht zutraut, sollte das vom TA machen lassen um Entzündungen zu vermeiden.

 

  •  

 

Quellen: Winkelmann, Lammers „Kaninchenkrankheiten“ Patient Tier

Augenerkrankungen

Krankheitsbezeichnung

Symptome

Vorbeugung / Therapie

Lid-Bindehautentzündung

  • tränende, verklebte, trübe Augen

  • gerötete Lidhaut

  • Tier kneift Auge zusammen

  • Lichtempfindlichkeit

antibiotische Augensalbe vom Tierarzt

Quellen: Winkelmann, Lammers „Kaninchenkrankheiten“ Patient Tier

 

Erkrankung von Knochen, Gelenken und Muskulatur

Krankheitsbezeichnung

Symptome

Vorbeugung / Therapie

Knochenbruch (Fraktur)

  • plötzliche Nichtbelastung eines Körperteils

Vorbeugung: Knochenbrüche passieren, wenn Tiere irgendwo hängen bleiben und sich zu befreien versuchen. Lauern irgendwo Gefahrenstellen?

Der Tierarzt oder Tierärztin muss Röntgen und ggf. chirurgisch eingreifen oder das Körperteil in Gips legen.

Gelenkentzündung

  • Tritt meist als Begleiterkrankung auf (z.B. bei Bakteriellen Erkrankungen)

  • Gelenke leicht verdickt

  • erhöhte Körpertemperatur

  • Schwierigkeiten beim Bewegen, Schmerzen

Antibiotika

Auskugeln von Gelenk

  • plötzl. Nichtbelastung eines Körperteils

Einrenken unter Narkose durch den Tierarzt. Ursache überprüfen! Eventuell falsches Hochnehmen?

Muskelschwund

  • Zunehmende Bewegungsunlust

Grundlage ist Vitamin E – Mangel. Kommt nur bei einseitiger / falscher Fütterung vor.

Quellen: Winkelmann, Lammers „Kaninchenkrankheiten“ Patient Tier

 

Atemwegserkrankungen

Krankheitsbezeichnung

Symptome

Vorbeugung / Therapie

Schnupfen

  • Nasenausfluss, Niesen

Muss unbedingt behandelt werden; kann sich chronifizieren.

Immunsystem stärken durch Zugabe von Vitaminen. Mögliche Ursachen (Zugluft, Luftfeuchtigkeit) abstellen.

Lungenentzündung

  • Kann als Folge des Schnupfens auftreten

  • Tier frisst schlecht, ist Apathisch, lustlos, magert ab

  • Atemprobleme

  • beschleunigtes Atmen (Kurzatmigkeit)

Antibiotikatherapie nach Feststellung des Erregers.

Ursache der Lungenentzündung sind Haltungsfehler.

Quellen: Winkelmann, Lammers „Kaninchenkrankheiten“ Patient Tier

Erkrankung der Verdauungsorgane

Krankheitsbezeichnung

Symptome

Vorbeugung / Therapie

Zahnfachentzündung

  • Ursache ist meist eine Verletzung

  • Behinderung beim fressen, Appetitlosigkeit

Versorgung der Wunde durch TA

Gebissfehlstellung

  • Anomalien des Kiefers führen zu unkontrolliertem Zahnwachstum oder

  • falsche Fütterung, bei der die Zähne nicht genügend abgerieben werden

  • Behinderung beim Fressen, Fressunlust

  • Zähne werden äußerlich sichtbar

Vorbeugung: Nagematerial anbieten! Bei einer angeborenen Fehlstellung hilft nur eine Zahnkürzung durch den Tierarzt.

Trommelsucht (Magenblähung)

  • durch Gasbildung bläht Magen auf

  • Wölbung auf linker Körperseite sichtbar

  • durch Abklopfen hört man einen trommelartigen Ton

  • Unruhe

  • unbemerkt führt es durch Kreislaufversagen zum Tod

Kein gärfähiges Futter verabreichen (frischer Klee, Kohl, Kopfsalat, frisches Brot, verfaulte Lebensmittel)

Der Tierarzt muss mit einer Magensonde die Gase ableiten.

Magenverstopfung

  • Überladung des Magens nach Fastenzeit, Weiterleitung zum Dünndarm nicht mehr möglich (Kaninchen haben nur dünne Magenwände)

  • Wölbung des Magens auf linker Körperseite sichtbar

Vorbeugung: gesunde Ernährung, viel Heu. Ein Kaninchen darf nicht hungern, sonst frisst es dann so viel, dass der Magen nicht mehr Arbeitsfähig ist. Also Hände weg von Nulldiäten! Beim Angorakaninchen kann die Verstopfung auch vom Fellfressen kommen. Dies muss durch ständige Heugabe verhindert werden.

TA verabreicht krampflösende Mittel. Durch Magenmassagen wird Verdauung in Gang gebracht.

Durchfall

  • hier ist Ursache Abzuklären (Fehlernährung, Bakterielle Erkrankung, Parasiten (Kokzidien, oder Würmer)

  • Verformung des Stuhls

  • Abmagerung

gute Haltungsbedingungen, Fütterungsbedingungen beugen vor.

Je nach Krankheitsbild Behandlung, meist mit Antibiotika und Heu. Körnermischungen mal weglassen.

Tyzzersche Krankheit

  • ist eine Darm-und Lebererkrankung

  • 10 Tage nach Ansteckung mit Erreger (Bacillus piliformis)kommt es zu blutigem Durchfall

  • Abmagerung

Wird durch Schadnager wie Wildmäuse übertragen. Erreger wird ausgeschieden. Lagert das Futter so, dass Mäuse Zugang haben und der Erreger ins Futter gelangt?

Therapie mit Antibiotika

Kokzidiose

  • wird durch Kokzidien (einzellige Parasiten) verursacht, es kommt zur Erkrankung der Darmschleimhaut

  • Durchfall, aufgeblähter Bauch

  • manchmal Verstopfung

  • Appetitlosigkeit

Durch Widerstandskraft kann ein Kaninchen die Parasiten selbst abwehren. Kommt es zur Erkrankung, muss nach der Ursache der Immunschwäche geforscht werden.

Der oder die TA behandelt mit Kozidiostatika.

Darmwürmer (Nematoden)

  • Bei starkem Wurmbefall kommt es zu Abmagerung, Appetitlosigkeit und Durchfall.

Eine einwandfreie Haltungshygiene schützt vor Würmern.

Eine parasitologische Untersuchung stellt Wurmart fest. Mit Wurmmitteln wird behandelt.

Quellen: Winkelmann, Lammers „Kaninchenkrankheiten“ Patient Tier

Erkrankung der Leber

Krankheitsbezeichnung

Symptome

Vorbeugung / Therapie

Leberverfettung

  • Gelbfärbung der Schleimhäute von Augen und Mundhöhle

  • Apathie

  • Gewichtsverlust

  • Blutarmut

  • bei Blutuntersuchung erhöhte Leberwerte

Leberschutztherapie durch Futter mit hohem Rohfaseranteil.

Leberverfettung entsteht durch zu fettreiche Ernährung.

Leberentzündung

  • Bakterien, Parasiten oder eine Stoffwechselstörung führen zur Entzündung der Leber.

  • Unspezifische Symptome (je nach Grunderkrankung)

  • wird oft nicht erkannt

Behandlung richtet sich nach der Ursache.

Quellen: Winkelmann, Lammers „Kaninchenkrankheiten“ Patient Tier

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